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Paracelsus zur Pest

Anlässlich eines Ausbruchs der Beulenpest in dem Südtiroler Ort Sterzing schrieb Paracelsus 1534 eine kleine Abhandlung zu Symptomen und Behandlung der Seuche. Ohne die Leser mit viel theoretischem „Geschwätz“ – wie er schreibt – belasten zu wollen, war es sein Wunsch eine praktische und verständliche Anleitung zur Kur zu geben. Je nach Stadium und Symptomen der Krankheit empfiehlt er verschiedene Tränke aus einem reichen Schatz an Kräutern, Wurzeln – gerne auf Grundlage von Branntwein und Rosenessig. Auch getrocknete Kröten, Flusskrebse und Behandlungen mit Saphiren und Kristallen gehören zu seinem Repertoire. Verschiedenen Personengruppen empfiehlt er zu speziellen Mondstellungen zur Vorsicht.

In dieser Schrift verschont er seine Leser mit seinen Theorien zu Ursprung und Verbreitung der Seuche. Diese hatte er bereits ausführlich schon vorher in anderen – ebenfalls nicht veröffentlichten Pestschriften dargelegt.

In diesen kann der Leser verfolgen, wie Paracelsus schreibend seine Gedanken entwickelt. Im Detail variieren seine Ideen. Im Kern ist Paracelsus jedoch davon überzeugt, dass der Menschen Neid, Hass und Missgunst zum Himmel aufsteigen, dort von Planeten wie dem Mars aufgenommen und als Pest wieder zu den Menschen zurückgeschossen werden. Die Menschen verursachen die Seuche also indirekt selbst. Die Pest ist eine kollektive Strafe, die vom Himmel schießt und – wie der Hagel – manche Menschen trifft und manche nicht, unabhängig von der individuellen Lebensführung. Am Ende ist es natürlich Gott, der die Dinge so eingerichtet hat, der in seiner Barmherzigkeit aber auch die Arzneien dagegen bereitstellt.

Demnächst wird auf dieser Webseite eine ausführliche Inhaltsangabe der paracelsischen Pestschriften erscheinen.

Paracelsus und Maria

Paracelsus hatte diverse Kritikpunkte an Glaubenspraktiken der katholischen Kirche. Die Anbetung der Maria als Muttergottes verteidigte er jedoch.
Für Paracelsus ist Maria ein eigenständiges göttliches Wesen, das Gott noch vor der Schöpfung der Welt von sich abgespalten hat. Ihre irdische Inkarnation kam ohne einen menschlichen Samen zustande und ist Ausdruck des Wunders, dass ein „himmlischer Leib“ auf der Erde Gestalt annimmt.
Sie ist die Personifizierung von Milde und Barmherigkeit, an die sich Menschen direkt wenden können, ohne mit dem zornigen Schöpfergott konfrontiert zu werden.

In meinem Beitrag stelle ich die um 1525 entstandenen paracelsischen Marienkonzepte vor und zeige die franziskanischen Traditionslinien auf, denen Paracelsus zu folgen scheint.

Paracelsus – frühe Theologie

 

english version coming up

1525/26 weilte Paracelsus in Salzburg. Es war die Zeit der Bauernaufstände und der Reformation. Auch Paracelsus lieferte seinen Beitrag zu den damals brandheißen Themen wie „Ablasshandel“, „Bildersturm“ und christlicher Ethik. Er schrieb dort nicht 95 Thesen wie Luther, sondern formulierte seine Kritik an der Kirche in 7 Punkten. Er produzierte ein theologisches Werk zu den Themen „“Gerechtigkeit“ und „Gesetze“ und belegte seine Thesen mit Auslegungen des Matthäusevangeliums.

Paracelsus identifizierte sich sehr mit Jesus. Er verteufelt vehement die „Reichen“ und den Klerus. Er predigt Armut als Voraussetzung für den Eintritt ins ewige Leben. Sein größtes Anliegen ist jedoch die „Verinnerlichung“ des Glaubens. Nicht als Hülsen runtergebetete Gebete führen ins Himmelreich, sondern der leere Geist angefüllt mit christlicher Liebe. Diejenigen, die das nicht annehmen, erwartet das höllische Feuer…

Mein demnächst hier erscheinder Beitrag zu der frühen Theologie des Paracelsus basiert auf der 1993, an einer theologischen Fakultät eingereichteten gleichnamigen Dissertation von Ute Gause.

 

In 1525/26 Paracelsus stayed in Salzburg. It was the time of the peasant uprisings and the Reformation. Paracelsus also made his contribution to the hot topics of the time, such as „trafficking in palliatives“, „picture storm“ and Christian ethics. He did not write there 95 theses like Luther, but formulated his criticism of the church in 7 points. He produced a theological work on the subjects of „justice“ and „laws“ and substantiated his theses with interpretations of the Gospel of Matthew.

Paracelsus identified himself very much with Jesus. He vehemently demonizes the „rich“ and the clergy. He preaches poverty as a prerequisite for entering eternal life. His greatest concern, however, is the „internalization“ of faith. Prayers prayed down as pods do not lead to the Kingdom of Heaven, but the empty spirit filled with Christian love. For those who do not accept this, the hellish fire awaits. . .

My contribution to the early theology of Paracelsus, which will soon be published here, is based on Ute Gause’s dissertation of the same name, which was submitted to a theological faculty in 1993.

Über die Freigiebigkeit

Ab heute ist die Zusammenfassung des Textes „Über die glückselige Freigiebigkeit“ auf dieser Seite veröffentlicht.

Der Originaltext umfasst 16 Seiten und gehört zu den theologischen Texten der sogenannten „vita beata“. Er betrifft den Bereich „Ethik“ und beinhaltet die Aufforderung mit freiem Herzen sein Gut mit den Ärmsten der Armen zu teilen.

Kurzfassung: Liber meteororum

Kurzfassung:   Buch der Himmelserscheinungen

 

Als Paracelsus 1530 sein „Liber meteororum“ schrieb, ermöglichte die erst seit wenigen Jahrzehnten neu entwickelte Technik des Buchdruckes eine zahlreiche Publikation von Texten.

Bereits ab 1500 waren so genannte „Einjahrespraktiken“ beim gemeinen Volk populär. Dies waren astrologische Prognosen für ein Jahr, in denen Planetenkonstellationen hinsichtlich Wetter, Ernte, Seuchen und Kriegen gedeutet wurde. Auch längerfristig anwendbare Bücher, wie das „Wetterbüchlein“ oder die „Bauernpraktik“, die Regeln zu Wetter und Sternkonstellationen boten, waren im 16. Jhdt. ein Verkaufsschlager.

Für sein „Liber meteororum“ hingegen fand Paracelsus keinen Verleger. Es wurde, wie die meisten seiner Texte, erst einige Jahrzehnte nach Paracelsus Tod erstmalig gedruckt. Woran lag das zeitgenössische Desinteresse?

Zum einen bietet Paracelsus keinerlei praktischen Anwendungsmöglichkeiten bezüglich Wettervorhersagen. Er behauptete sogar, dass Planetenkonstellationen keinerlei Einfluss auf Wetterereignisse haben, und stellte damit ein gängiges Konzept in Frage.

Das „Liber meteororum“ ist ein naturphilosophisches Werk, in dem Paracelsus auf 81 Seiten seine Theorien zur Entstehung von Wetterphänomenen darlegt. Er orientiert sich in Aufbau und Struktur an der antiken Schrift „De meteore“ von Aristoteles, formuliert aber neue Erklärungsansätze und das auf Deutsch. Damit befand er sich zum andern in Opposition zur allgemeinen universitären Lehrmeinung und war zum damaligen Zeitpunkt scheinbar noch nicht publizierbar.

 

Den aristotelischen Betrachtungen folgend, bezieht Paracelsus in seinem Meteorologiebuch alle Erscheinungen des „Himmels“ mit ein. Dazu gehören neben Winden, Niederschlägen, Gewittern und Regenbogen auch Jahres- und Tageszeiten, Sternschnuppen, Meteoriten und bei Paracelsus Phänomene wie „Froschregen“.

Die aristotelische Kosmologie sieht die Welt als horizontale Schichtung der vier Elemente, wobei sich zwischen dem untersten Element „Erde“ und dem obersten Element „Feuer“ die Elemente „Wasser“ und „Luft“ befinden. Die meteorologischen Erscheinungen des Himmels spielen sich in dem obersten Element „Feuer“ ab. Paracelsus übernimmt dieses Konzept und schmückt es aus. Für ihn hat jedes Element seine speziellen „Früchte“; die Früchte des himmlischen Feuerelementes sind die Sterne.

 

Die Sterne stellen die Dreh- und Angelpunkte in der paracelsischen Vorstellung zur Wetterentstehung dar. Er entwickelte zu dem Thema eine einzigartige Theorie, die niemals wieder aufgegriffen und meines Wissens auch nicht breiter diskutiert wurde. Nicht die Planetenkonstellationen, sondern die Sterne selbst produzieren Wetter. Wir begegnen im „Liber meteororum“ den „Wettersternen“, wobei jedes Witterungsphänomen einem ihm eigenen speziellen Stern entspringt, in dem es gebraut wurde. Paracelsus spricht also von „Regensternen“, „Windsternen“, „Blitzsternen“, „Hagelsternen“, „Schneesternen“, „Blitzsternen“ e.c.t.

Einen breiten Raum nehmen Beschreibungen ein, auf welche Weise die Sterne das Wetter kochen. An diesem Punkt lernen wir die andere große original paracelsische Theorie kennen, die nach seinem Tod größere Wellen schlug und jahrhundertelang heiß diskutiert wurde. Als Arzt maß Paracelsus der Alchemie einen wichtigen Stellenwert zu, einerseits um Medikamente herzustellen, andererseits um den menschlichen Körper und seine Krankheiten zu verstehen. Ausgehend von der traditionellen hellenistisch-arabischen zwei Prinzipien Theorie, nach der alle Metalle aus Quecksilber (mercur) und Schwefel (sulfur) bestehen, erweitert Paracelsus diese um das dritte Prinzip Salz (sal) und postuliert, dass alle materiellen Körper einschließlich des menschlichen aus diesen drei Prinzipien heraus funktionieren. Es handelt sich bei diesen Prinzipien weniger um die tatsächlichen Stoffe Quecksilber, Schwefel und Salz, als vielmehr um damit assoziierte Eigenschaften. Obgleich die Prinzipien auch geistige Aspekte einschließen, meint Paracelsus damit nicht Körper, Seele und Geist, wie oftmals interpretiert, sondern bezieht die drei „Substanzen“, wie er sie auch nennt, allein auf materielle Körper.

Demnach sind natürlich auch die Sterne aus den drei „Substanzen“, wobei jeder Stern aus jeweils individuellen Spielarten der Prinzipien besteht. Durch die Reaktionen der Substanzen untereinander, Paracelsus nennt das „ire operationes“, produzieren sie Niederschläge, Winde, Blitz und Donner. Für die sehr ausdrucksvolle Beschreibung dieser Reaktionen verwendet Paracelsus Vokabular aus der Alchemistenküche, wie „resolviren“, „dispensiren“, „coaguliren“. Die Sterne selbst bezeichnet er dabei mit Begriffen für Laborgefäße wie „Hafen“ oder „Athanar“. Grob kategorisiert wird Schwefel z.B. mit einem entzündlichen, Quecksilber mit einem beweglichen und Salz mit einem verfestigenden Prinzip assoziiert. Den Reaktionsmöglichkeiten sind am Ende keine Grenzen gesetzt; diese Theorie erlaubt Paracelsus jedes sichtbare Phänomen zu beschreiben.

 

Nicht nur im heutigen Sinne meteorologische Erscheinungen erklärt Paracelsus mit den Sternen, sondern auch klimatische Gegebenheiten bzw. Temperaturen. Ausdrücklich betont er, dass nicht die Höhe des Sonnenstandes die jahreszeitlichen Temperaturunterschiede verursacht, sondern unter den Begriffen „Sommer“- und „Wintersterne“ zusammengefasste Wettersterne. Dabei ist die Sonne der oberste Sommerstern und der Mond der oberste Winterstern, die aber alleine ohne ihre „mitgehülfen“ keine Jahreszeiten verursachen könnten.

Spezielle Sterne verursachen auch Tag und Nacht. Laut Paracelsus ist nicht allein das Hinweggehen der Sonne verantwortlich für die Dunkelheit der Nacht, sondern auch eine Sternenart, die Finsternis verursacht, wenn der Mond nicht scheint. Er argumentiert, dass ohne diese „Finsternissterne“ die Sonnenstrahlen auch nachts an der Erde vorbei reflektieren müssten.

Man muss Paracelsus zu Gute halten, dass zum Zeitpunkt des höchsten Sonnenstandes am 21. Juni tatsächlich noch nicht die höchsten Sommertemperaturen erreicht werden, weil die Luftmassen noch nicht aufgeheizt sind.

Gleichwohl ahnte er auch nicht, dass die Sonnenstrahlen im All nicht als Lichtkegel sichtbar sind.

 

Winde können auf regionaler Ebene auch aus Regensternen oder „particularischen“ Windsternen entstehen; auf überregionaler Ebene unterscheidet Paracelsus ganz klassisch zwischen Nord-, Ost-, Süd- und Westwind. Seiner Anschauung nach werden Temperatur und Feuchtigkeit eines jeden Windes durch den jeweiligen Windstern bestimmt und nicht durch die klimatischen Bedingungen, in denen er weht. Folglich ist es so, dass die Windsterne das Klima verursachen und nicht umgekehrt. In der paracelsischen Vorstellung kann der Wind auch durch das Wasser der Meere dringen und dadurch Wellen und Sturmfluten verursachen. Ebenso ist es dem Wind möglich durch die Poren der Erde zu dringen und Erdbeben auszulösen. Diese These hat Paracelsus von mittelalterlichen Gelehrten übernommen. Von dem Wissen um die Kontinentalplatten war man noch weit entfernt.

 

Dass Regen aus zuvor verdunstetem Wasser entsteht, scheint manchen Zeitgenossen Paracelsus` schon klar gewesen zu sein, sonst hätte er das nicht so vehement in Abrede gestellt. Nach seiner Theorie werden Regenwolken in den Regensternen immer wieder neu produziert, so wie Birnen ja auch jedes Jahr neu wachsen. Er vergleicht die Regensterne mit Bäumen, die Blüten treiben. Die Blüten sind die Regenwolken; die daraus entstehenden Früchte stellen den Regen dar. Dauer und Heftigkeit des Regens hängt von der Menge der Wolken ab, und von der Beschaffenheit der jeweiligen drei Substanzen sal, sulphur und mercurius.

 

Niederschläge wie Schnee, Hagel und Graupel teilt Paracelsus den „Wintersternen“ zu, in denen der „geist der coagulation“ wohnt, der Wasser zu Eis gefrieren, aber auch Bergkristalle wachsen lässt. Sie sind für den Winter verantwortlich und auch hier gibt es für jeden Niederschlagstyp einen speziellen Stern. Zuweilen hagelt es jedoch auch im Sommer, hervorgerufen durch zwittrige Sterne, die weder „Sommer“- noch „Wintersterne“ sind, sondern wie Maulesel, die „weder esel noch roß“ sind. An dieser Stelle scheint Paracelsus der schieren Vielfalt der Kombinationsmöglichkeiten von Witterungsverhältnissen zu erliegen. Er gerät etwas aus dem Konzept, verliert sich in widersprüchlichen Auslassungen und zieht sich am Ende des Kapitels aus der Affäre mit der Feststellung, dass es für den Menschen nicht nötig ist genau zu wissen, wie Schnee oder Hagel entsteht. Gott hat es nun einmal so erschaffen.

 

Zeit seines Lebens Katholik, bezieht sich Paracelsus in seiner naturphilosophischen Sicht unbedingt auf Gott. Gleich in den ersten Kapiteln des „Liber meteororum“ beschreibt er Gott als Erschaffer der aus Salz, Schwefel und Quecksilber bestehenden Urmaterie, aus der er dann die vier Elemente zieht. Das subtilste und als erstes erschaffene ist das Feuerelement – der Himmel.

Gott agiert hier als Alchemist. Durch seine „göttliche alchemisterei“ scheidet er Tag und Nacht und Hitze von Kälte. Für differenzierte Arbeiten jedoch hat Gott eine Kraft namens „vulcanus“ eingesetzt. Dieser Vulkanus taucht bereits in mittelalterlichen alchemistischen Werken und ist keine paracelsische Erfindung. Paracelsus beschreibt ihn als Arbeiter, der die Natur wartet und die Dinge in die letztendliche Form bringt. So wie Gott ja auch nicht persönlich dem Menschen den Rock näht, sondern der Schneider. Vulkanus ist dabei weder ein Geist, noch eine Person, wie Paracelsus ausdrücklich betont.

Daneben agieren jedoch auch lebendige und vernunftbegabte Wesen, die, verankert im Volksglauben, einer vorchristlichen Mythologie entspringen. Paracelsus spricht von Naturgeistern, die alle vier Elemente bevölkern. Im Gegensatz zu Vulkanus, der am Ort der Wetterproduktion unverzichtbar ist, spielen die Elementargeister diesbezüglich zunächst nur eine sehr marginale Rolle. Einzig bei der Lenkung der Blitze greifen Feuergeister ein, die nach dem Willen Christi Blitze in die Feinde Gottes leiten können.

 

Den Blitz, als gewaltigste Erscheinung des Firmaments, beschreibt Paracelsus wortgewaltig und ausführlich, wie gewohnt naturphilosophisch als Ergebnis einer Reaktion der drei Prinzipien in einem Blitzstern. Gleichzeitig jedoch kann der Blitz ein „Fingerzeig“ Gottes sein, der den Menschen mahnen soll ein gottesfürchtiges Leben zu führen; denn Christus kündigt seine Wiederkunft durch einen Blitz an.

Jedoch auch dem Teufel ist es zuweilen erlaubt Gewitter und andere Unwetter zu machen, so wie er auch Mensch und Tier besessen machen kann. Am Ende ist der Teufel aber auch nur von Gott geschickt „um die seinen (…) in das ewige feur“ zu holen.

 

Die letzten beiden Kapitel behandeln außergewöhnliche Himmelserscheinungen wie Regenbögen, Sternschnuppen, Wetterleuchten und Meteoriten. Aber auch außerhalb unseres heutigen Erfahrungshorizontes liegende Ereignisse, wie Drachen oder Frosch- und Steinregen. Obgleich Paracelsus seinen naturphilosophischen Gelehrtenduktus beibehält, treten die drei Prinzipien hier als Erklärungsmuster nicht mehr in Erscheinung.

Breiten Raum nehmen die Feuergeister ein, die Paracelsus hier „Pennaten“ nennt. Sie produzieren so genannte „praesagia“, von Menschen zu deutende Vorzeichen auf die Zukunft, die verschiedenste Formen annehmen können. Es kann sich dabei um Regenbögen handeln oder Ringe um Sonne und Mond, die heute als Sonnen- oder Mondhöfe bezeichnet werden. Auch vom Himmel fallende Steine oder Eisenstücke werden den Pennaten zugeschrieben. Besonders merkwürdig sind Figuren, in der Form von Kreuzen, Geißen, Hähnen, Säuen oder Menschenköpfen, die die Pennaten hinabwerfen oder als Bilder in den Himmel zeichnen.

 

Unabhängig von Pennaten werden Phänomene wie Sternschnuppen erklärt. Paracelsus versteht sie als Exkrement der Sterne, die sich von dem im Himmelselement vorherrschenden Feuer ernähren. Auch Wetterleuchten ist ein Sternenexkrement und zwar der Sommersterne in Form von brennendem Schwefel.

Neben den Pennaten gibt es auch andere Lebewesen im Himmel. Z.B. Drachen, die in den Bergen als feurige Wesen „schießen von einem berg zum andern“. Am Ende verzehren sie sich und werden zu Sulze.

Daneben leben gewisse Frösche im Himmelselement und regnen bei bestimmten Wetterbedingungen vom Himmel herab. Das Sperma von Laubfröschen im Übrigen entsteht grundsätzlich im Himmel und fällt im Frühling vom Himmel.

Ein von den Zeitgenossen als „Blutregen“ bezeichnetes Phänomen, womit vermutlich der bei bestimmten Großwetterlagen im Alpengebiet herabregnende Saharasand gemeint ist, interpretiert Paracelsus als in Regen gelösten Schaum der Morgenröte.

 

Fünf Jahre vor der Entstehung des „Liber meteororum“ schrieb Paracelsus noch ein anderes naturphilosophisches Werk. In der „Philosophia generationibus quatuor elementorum“ werden die Produkte aller vier Elemente behandelt, also u.a. auch die Phänomene des Wettergeschehens. Überraschenderweise finden wir hier eine andere Reihenfolge der Schichtung der äußeren Elemente. So befindet sich das Luftelement, das hier als „Himmel“ bezeichnet wird, ganz außen. Das Wetter findet nach wie vor im Feuerelement seinen Platz. Gott als Erschaffer der Welt findet nur im ersten Buch über die „Luft“ Erwähnung. Im zweiten Buch zum „Feuer“ taucht er nicht auf, genauso wenig wie Vulkanus, Naturgeister oder der Teufel.

Die explizit alchemistische Beschreibung der Wetterphänomene finden wir auch in der „Phil.gen.“, insbesondere auf dem Zusammenspiel der drei Prinzipien liegt der Fokus, wobei die Reaktionen der Substanzen allerdings im Detail unterschiedlich dargestellt werden.

Ein „Donnerstern“ ist für den Donner verantwortlich, der im „Liber meteororum“ nur ein Nebenprodukt des Blitzes darstellt. Außerdem werden noch Nebel, Rauhreif und Tau als „Schweiß“ der Sterne beschrieben.

 

Wie sind die konzeptionellen Unterschiede zu erklären? Offenbar liegt Paracelsus’ Intention nicht in der Proklamierung einer statischen Theorie. Er betrachtet die Welt in einer assoziativen Weise, die variieren kann.

Er bemüht dabei das, was wir heute „Phantasie“ nennen und betreibt „Spekulationen“. Kurioserweise lehnt er diese beiden Wege, um zur Erkenntnis gelangen, vehement ab. Ein Arzt hat seiner Meinung nach nicht zu phantasieren und zu spekulieren, sondern soll durch „das Licht der Natur“ zu seiner Erfahrung gelangen.

Was die Sicht auf das Wetter anbelangt, so führte ihn diese Methode, wie wir gesehen haben, zu der Theorie der Wettersterne, in denen drei Substanzen das Wetter kochen.

Seine Beschreibung der Welt ist sehr religiös, voller Metaphern und Staunen über die bunte Vielfalt der Erscheinungen. Zugleich treibt ihn der unbedingte Wille die Natur durch überall wirkende chemische Reaktionen – unserem Verständnis von Naturgesetzen nicht unähnlich – beschreibbar zu machen.

 

 

 

 

Die Drei Prinzipien Theorie

Schwefel, Quecksilber und Salz – daraus bestehen nach Paracelsus alle sichtbaren Dinge: Metalle, Mineralien, Pflanzen, Wettersterne und natürlich der Mensch.

Für meinen Text über diese „Drei Prinzipien Theorie“ durchforstete ich Paracelsus‘ Schriften und wurde fündig, u.a. in den „Elf Traktat“, natürlich in „Von den drei ersten essentiis“, im „Paragranum“, „Opus Paramirum“, in der „Die große Wundarznei“, „Astronomia magna“, „Philosophia de generationibus quatuor elementorum“, …

Der auf der Hauptseite veröffentlichte Text ist eine zusammenfassende Version meiner Magisterarbeit, die ich 1995 an der FU Berlin abgegeben habe. Der Text folgt im wesentlichen einer Version, die 2002 in der „Nova Acta Paracelsica“ publiziert wurde.

Liber meteororum 1525/1526

Paracelsus‘ Theorien zum Thema „Wetter“ erscheinen uns heute sehr absonderlich. Selbst hartgesottene Paracelsusfans- ob schulmedizinisch oder ganzheitlich orientiert- dürften ihnen mit einer gewissen Fassungslosigkeit begegnen.

Es sind  „Wettersterne“, wie „Regen-„, „Schnee-„, „Blitzsterne“ ect., die das Wetter brauen! Die Sterne sind Gefäße, in denen durch alchemistische Operationen die drei Prinzipien „Schwefel“, „Quecksilber“ und „Salz“ zu den verschiedenen Wettererscheinungen gekocht werden, die dann aus den Sternen „emulgieren“. Diese Theorie ist originär Paracelsus und wurde von niemandem aufgegriffen.

Des weiteren begegnen wir im paracelsischen Kosmos Feuergeistern (Pennaten), die auf Christus‘ Wunsch Blitze schleudern und Laubfroschsperma, das vom Himmel regnet. Einer antiken Tradition folgend, behandelt Paracelsus neben dem Wetter auch Jahres- und Tageszeiten in seiner Schrift „Liber meteororum“.

In meinem Text gehe ich  zeitgenössischen Vorstellungen und Bedürfnissen zum Thema „Wetter“ nach. Ich gebe textnahe Zusammenfassungen des „Liber meteororum“- kursiv gedruckt- die sehr unterhaltsam, aber anstrengend nachzuvollziehen sind. Aber auch wenn man nur die Erläuterungen liest, erhält man Einblick in die faszinierende, ungewohnte Vorstellungswelt des Paracelsus.

Liber meteororum

Paracelsus

Paracelsus – Ein heilender Weiser oder ein verrückter Scharlatan?

Die Texte des Paracelsus sind oft assoziativ, manchmal unverständlich und bisweilen auch widersprüchlich geschrieben. Dies lässt dem Leser weiten Raum für widerum eigene   Assoziationen und Interpretationen. So ist es zu erklären, dass je nach Intention der Leser  extrem unterschiedliche Bewertungen vorgenommen werden. Sucht man nach heutigen Maßstäben in Paracelsus` Werk  korrekte und nachvollziehbare wissenschaftliche Erkenntnisse, so wird man sich verzweifelt die Haare raufen und ihn als Wirrkopf abtun. Oder es wurden ihm aus Respekt heraus  „vernünftige“ Erkenntnisse untergeschoben, die so in seinen Texten nicht nachweisbar sind. Zielt das Interesse des Lesers mehr auf das Verständnis der Welt durch eine ganzheitliche, esoterische Anschauung,  so bietet Paracelsus eine inspirierende Sicht auf den Kosmos. Auch in diesem Bereich muss(te) sein Name für so manche Theorie und Praxis herhalten, die er konkret so nicht vertreten hat.

Ich versuche mich den Texten des Paracelsus wohlwollend unvoreingenommen zu nähern. Weder erwarte ich einen erleuchteten Heiligen, noch möchte ich ihn als größenwahnsinnigen Spinner abtun. Ich nehme ihn als Mensch seiner Zeit und bin beeindruckt von dem schieren Umfang seines Werkes, von der Bildhaftigkeit seines Ausdrucks und der Bandbreite seines Interesses: Medizin, Naturphilosophie, Theologie. Allein seine medizinisch-naturphilosophischen Schriften, die in den zwanziger Jahren erneut verlegt wurden, füllen dreizehn dicke Bände. Er muss einen großen Teil seiner Lebenszeit schreibend verbracht haben. Leider wurden seine Theorien zu Lebzeiten in Gelehrtenkreisen nicht anerkannt und – endlich darf man es sagen, ohne zu verunglimpfen- er war intersexuell, was gesellschaftliches Außenseitertum mit sich bringt oder zumindest fördert – und Raum für andere Dinge geben kann.